Die Gesundheit der Frau stand im Mittelpunkt eines Vortragsabends des Frauenbundes, zu dem 39 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gekommen waren. Referentin Frau Dr. Susanne Schell-Waininger beleuchtete dabei die Besonderheiten der Frauengesundheit und zeigte auf, wie biologische Voraussetzungen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen das Wohlbefinden von Frauen beeinflussen.
Bereits vor mehr als 25 Jahren hielt die Aktionsplattform der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking fest, dass die Gesundheit der Frau nicht nur das körperliche, sondern auch das emotionale und soziale Wohlbefinden umfasst. Ebenso spielen das soziale, politische und wirtschaftliche Lebensumfeld eine wichtige Rolle.
Was ist bei Frauen anders? Dieser Frage widmete sich die Referentin mit Blick auf Gene, Hormone und Erziehung. Auch das Frauenbild hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Während von Frauen vor rund 100 Jahren vielfach erwartet wurde, brav, artig und fügsam zu sein, sind heute Selbstbestimmung und persönliche Entwicklung stärker in den Mittelpunkt gerückt. Schon Maria Ward erkannte die Bedeutung von Bildung für Mädchen und setzte sich dafür ein.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die medizinische Forschung. Hier gebe es noch viel zu entdecken, betonte Schell-Waininger. Frauen und Männer unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich Körpergewicht, Wasseranteil im Körper und hormonellen Veränderungen im Monatszyklus. Diese Unterschiede können auch Einfluss darauf haben, wie Medikamente wirken. Das Buch von Caroline Criado-Perez mit dem Titel „Unsichtbare Frauen“ ist sehr informativ und lesenswert. Ebenso können sich Erkrankungen unterschiedlich bemerkbar machen. So äußert sich ein Herzinfarkt bei Frauen nicht immer mit den typischen Beschwerden, die man von Männern kennt. Deshalb sei es wichtig, mögliche Warnzeichen ernst zu nehmen und Symptome nicht zu verharmlosen.
Auch die Mehrfachbelastung vieler Frauen kam zur Sprache. Werden Beruf, Haushalt und Familienarbeit zusammengerechnet, arbeiten Frauen in Deutschland durchschnittlich rund 65 Stunden pro Woche. Umso wichtiger seien Vorsorge, Gesundheitsbewusstsein und ausreichend Zeit für die eigene Erholung.
Gesundheit beginnt im Alltag
Wie lässt sich die eigene Gesundheit stärken? Die Referentin empfahl, Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennungsangebote wahrzunehmen sowie auf einen ausreichenden Impfschutz zu achten. Eine ausgewogene Ernährung nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, ausreichend Wasser oder ungesüßter Tee und der Verzicht auf Nikotin seien weitere wichtige Bausteine. Regelmäßige Bewegung von zweieinhalb bis fünf Stunden pro Woche trage ebenfalls wesentlich zur Gesundheit bei.
Besonders ging Schell-Waininger auf die Vorbeugung von Osteoporose ein. Bewegung, eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Calcium – beispielsweise durch calciumreiches Mineralwasser und Milchprodukte – können helfen, die Knochengesundheit zu unterstützen. Auch ein maßvoller Umgang mit Alkohol und der Verzicht auf Nikotin seien wichtig.
Bei Wechseljahresbeschwerden können Bewegung, Sport und Entspannungsübungen das Wohlbefinden fördern. Grundsätzlich gelte es, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und rechtzeitig für Ausgleich zu sorgen.
Auf die Balance kommt es an
Zum Abschluss fasste die Referentin die wichtigsten Grundlagen eines gesunden Lebensstils zusammen: guter Schlaf, bewusste Ernährung, möglichst wenig Stress, regelmäßige Entspannung sowie gute Beziehungen zu sich selbst und zu anderen Menschen. Gesundheit bedeute, Körper und Seele gleichermaßen im Blick zu behalten.
Der informative Vortragsabend zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig die Faktoren sind, die die Gesundheit von Frauen beeinflussen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten wertvolle Anregungen, um im Alltag bewusster auf die eigene Gesundheit zu achten.
Foto und Text: Waltraud Wirthl


