Ökumenischer Gottesdienst zum 80. Todestag der Lübecker Märtyrer
Am 10.November 1943 wurden in Hamburg vier Lübecker Geistliche getötet. Der nationalsozialistische Volksgerichtshof hatte sie im Sommer 1943 wegen „Wehrkraftzersetzung, Heimtücke, Feindbegünstigung und Abhören von Feindsendern“ zum Tode verurteilt. Drei Katholische Kapläne und ein evangelischer Pastor wurden in Hamburg hingerichtet, enthauptet. Die Kapläne hießen Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller. Der evangelische Pastor hieß Karl-Friedrich Stellbrink.
Ihrer gedachten die katholische und die evangelische Gemeinde in einem gemeinsamen Gottesdienst am Vorabend des 80. Todestages der vier Märtyrer. Die Katholische Kirche hat die drei Kapläne 2011 seliggesprochen. Die Evangelische Kirche bereitet dem Pastor ein ehrendes Gedenken.
„Die Vier zeichnet aus, dass sie angesichts der Willkür der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft die trennenden Grenzen der Konfessionen überwanden und zu gemeinsamen Urteil wie zu gemeinsamen Handeln fanden.“, sagte der katholische Pfarrer Marco Stangl.
Der evangelische Pfarrer Matthias Schricker betonte: „Die vier Lübecker können uns helfen, einfachen und menschenverachtenden Strömungen, Ideologien – links wie rechts – entgegenzuhalten und den Fokus auf den Menschen in seiner unbedingten Würde zu legen.“ Pfarrer Stangl ergänzte, dass sie auch ein Vorbild sind, das Verbindende und nicht das Trennende der Kirchen zu leben: „Denn es gibt nur die eine Christenheit, wenn auch in unterschiedlicher Coleur.“
Schließlich führten die beiden Geistlichen zum Thema des Gottesdienstes hin: „Vertrauen in die Gnade Gottes“. In einer Dialogpredigt stellten die beiden Pfarrer anhand von Zitaten der Märtyrer heraus, wie sehr sie trotz Todesangst und NS-Terror aus dem Vertrauen auf Gott lebten. So kam unter anderem der Selige Kaplan Johannes Prassek zu Wort. Während der Haft, im Warten auf die Hinrichtung, schrieb er mit Bleistift auf die erste Seite seines Neuen Testament: „Wer sterben kann, wer will den zwingen.“ Nachdem Prassek zuerst mit Haft und Todesangst rang, konnte er sein Aufbäumen schmerzlich wandeln. Er hat JA gesagt zu seinem schweren und tödlich ausgehenden Weg. Dieses JA gründete in seinem Vertrauen und in seinem Glauben an die Auferstehung: „Weil er vertraute, dass Gott im Tod alles Schwere des Lebens in Heil und Fülle wandeln wird, wurde er innerlich frei.“, so Pfarrer Schricker.
Danach zündete er eine zum Bild des Seligen gestellte Kerze an. So wurden die einzelnen Märytrer durch ihre eigenen Worte vorgestellt und für jeden eine Kerze entzündet. Die Dialogpredigt wurde dabei immer wieder durch Strophen aus Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten“ unterbrochen, die ebenso von Ernst als auch von Vertrauen sprechen. Nachdem die Gemeinde gemeinsam das Martyriologium, einen Hymnus auf die Märtyrer, sprach, wurde der Gottesdienst mit dem gemeinsamen Vater Unser und dem Segen abgeschlossen. Abschließend erklang durch Karl Ziegaus, der den Gottesdienst stimmungsvoll musikalisch gestaltete, an der Orgel ein Stück von Johann Sebastian Bach, das die leise und doch so zentrale Botschaft der Vier Lübecker von Ökumene, Widerstand und Gottvertrauen ausdrückte.
Text und Foto: Marco Stangl