Wenn aus Trauer lebendige Hoffnung blüht: Eine Reise mit Maria Magdalena

Pfarrverband Regen am 05.04.2026

Es ist ein stil­ler Vor­mit­tag in Regen. Die Glo­cken von St. Micha­el schwei­gen, wie es der Brauch am Kar­frei­tag ver­langt. Doch im Pfarr­saal herrscht eine ganz eige­ne, erwar­tungs­vol­le Geschäf­tig­keit. Über 100 Augen­paa­re rich­ten sich auf die Mit­te des Rau­mes, wo eine Geschich­te ihren Lauf nimmt, die seit über 2000 Jah­ren die Welt bewegt – und die an die­sem 3. April 2026 für die kleins­ten Gemein­de­mit­glie­der ganz nah­bar wird. 

Ein Raum vol­ler Zeichen 

Schon beim Betre­ten des Saals spü­ren die Kin­der und ihre Eltern, dass heu­te etwas anders ist. Caro­la Schneid, Lei­te­rin des Kin­der­got­tes­dienst­teams, hat das Weih­was­ser­be­cken mit einem vio­let­ten Tuch abge­deckt. Kein Weih­was­ser wie sonst in der gro­ßen Kir­che“, erklärt sie lei­se. Erst an Ostern fei­ern wir das neue Leben.“ Auch das gro­ße Holz­kreuz im Raum ist ver­hüllt, ver­bor­gen unter dem Vio­lett der Passionszeit. 

Die Fei­er beginnt nicht mit Wor­ten, son­dern mit dem Kör­per. Unter Anlei­tung des Teams stre­cken sich die Kin­der zum Him­mel, legen die Hand auf ihr Herz und brei­ten dann die Arme weit aus. Jeder von uns ist ein Kreuz, wenn er die Arme aus­brei­tet“, flüs­tert eine Spre­che­rin. Es ist ein Moment der Stil­le und der Gemein­schaft, der die Brü­cke schlägt zum Schick­sal Jesu. 

Brot, Blu­men und dunk­le Trommelschläge 

Dann tritt eine Gestalt in den Mit­tel­punkt: Maria Mag­da­le­na. Mit bibli­schem Gewand und sanf­ter Stim­me beginnt sie zu erzäh­len. Sie nimmt die Fami­li­en mit zum letz­ten Abend­mahl. Wäh­rend sie von der Lie­be Jesu spricht, wird es im Saal wuse­lig, aber andäch­tig: Das Team der Kin­der­kir­che teilt Brot an alle Kin­der aus. Es wird gemein­sam geges­sen – ein Zei­chen dafür, dass Jesus ver­spro­chen hat, immer bei sei­nen Freun­den zu bleiben. 

Doch die Geschich­te wird dunk­ler. Maria Mag­da­le­na führt die Gemein­de in den Gar­ten Get­se­ma­ni. Zuerst dür­fen die Kin­der den Gar­ten“ auf dem Boden­bild noch mit bun­ten Blu­men schmü­cken, ein fried­li­ches Bild der Natur. Doch dann zer­reißt ein har­tes Geräusch die Stil­le: Dump­fe Trom­mel­schlä­ge hal­len durch den Pfarr­saal. Sol­da­ten tre­ten auf, Jesus wird fest­ge­nom­men. Die Kin­der machen die Angst der Jün­ger nach: Sie hal­ten sich die Ohren zu, um die Schreie nicht zu hören, und die Augen, um das Leid nicht zu sehen. Sie machen sich ganz klein – genau wie Maria Mag­da­le­na damals. 

Die Stil­le des Todes 

Der emo­tio­nals­te Moment der Repor­ta­ge folgt, als Maria vom Tod Jesu am Kreuz berich­tet. Der Saal wird kom­plett abge­dun­kelt. Das Licht weicht einer tie­fen Fins­ter­nis, und trau­ri­ge Instru­men­tal­mu­sik erfüllt den Raum. In die­ser fast greif­ba­ren Stil­le bli­cken die Kin­der auf das ver­hüll­te Kreuz und ver­har­ren im Gebet. Jesus ist tot. Dar­über sind wir trau­rig“, spre­chen sie gemein­sam. Es ist ein muti­ger Moment, in dem auch der Schmerz Platz haben darf. 

Der Sieg des Lebens 

Doch die Oster­bot­schaft, die Maria Mag­da­le­na im Gepäck hat, lässt die Dun­kel­heit nicht gewin­nen. Das Leben ist der Sie­ger!“, ruft sie aus. Mit einem Mal wird die Ver­dun­ke­lung auf­ge­löst, das Licht flu­tet zurück in den Saal. 

Was nun folgt, ist ein Fest für die Sin­ne: Die Kin­der ver­wan­deln das zuvor schlich­te Boden­bild in ein blü­hen­des Meer aus Far­ben. Mit leuch­ten­den Chif­fon­tü­chern und einer Fül­le von Blu­men wird in der Mit­te des Saa­les ein neu­es, leben­di­ges Zei­chen gestal­tet. Wäh­rend das Lied Seht das Zei­chen“ erklingt, weicht die Trau­er einer spür­ba­ren Erleich­te­rung. Das Kreuz am Boden ist kein Zei­chen des Todes mehr, son­dern ein Ort des Lebens. 

Ein rotes Ei und ein neu­es Lied 

Zum Abschluss der Fei­er war­tet auf jedes Kind eine beson­de­re Über­ra­schung: Ein rotes Ei. Das Ei sieht von außen fest ver­schlos­sen aus, fast wie ein Stein“, erklärt Caro­la Schneid, doch in sei­nem Inne­ren ver­birgt sich das Leben.“ Die Far­be Rot steht dabei für die Lie­be, die stär­ker ist als der Tod. Strah­lend neh­men die klei­nen Kir­chen­be­su­cher ihr Sym­bol der Hoff­nung entgegen. 

Bevor die Fami­li­en in den Kar­frei­tag ent­las­sen wer­den, wird es noch ein­mal laut und fröh­lich. Ein neu­es Lied steht auf dem Pro­gramm: Jesus lebt“. Da es eine Pre­mie­re ist, wird es erst kurz gemein­sam mit dem Musik­team ein­ge­übt, doch schon nach weni­gen Tak­ten singt der gan­ze Pfarr­saal aus vol­ler Keh­le mit. Die Melo­die ist ein regel­rech­ter Ohr­wurm, der die Bot­schaft der Hoff­nung in die Her­zen der Men­schen trägt. 

Mit die­sem Schwung und dem Wis­sen, dass das Leben gesiegt hat, ver­las­sen die Rege­ner Fami­li­en den Saal. Man sieht sie noch lan­ge auf dem Kirch­platz ste­hen, die roten Eier in den Hän­den – ein klei­ner Vor­ge­schmack auf das gro­ße Oster­fest, das nun kom­men darf. 

Info: Die nächs­te Kin­der­kir­che fin­det am 17. Mai um 11 Uhr in der Stadt­pfarr­kir­che statt, wenn der Kin­der­gar­ten St. Micha­el sein Jubi­lä­um feiert. 

Text: Andrea Gürster 

Fotos: Andrea Gürs­ter und San­dra Kaiser

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